Am 27. Januar 1991 krönt Franz Heinzer seine Karriere mit dem Abfahrtsweltmeistertitel
Auszug aus der Franz Heinzer Biographie von Karl Erb.
Ernst Habersatter, der treue Servicemann von Atomic, putzt noch ein letztes Mal die Ski und entlässt dann Franz Heinzer ins Starthaus. Er beobachtet, wie sein Schützling mit der Startnummer 7 mehrmals tief durchatmet, noch intensiver als sonst, und auch energisch einige Beweglichkeitsübungen macht.: Der Franz scheint "geladen" zu sein. Die letzten Anweisungen hört er nur noch mit halbem Ohr. Dann ist es soweit. Wuchtig stösst er ab und schiesst ein den Hang hinunter. Die ersten Kurven gelingen nach Wunsch. Dann die erste kritische Stelle mit der Fahrrinne direkt unten am Netz.
Schon vor dem Rennen hat Franz seine Linie durchexerziert, zum Glück, wie sich zeigen sollte:" Wenn es mich dort hinunterdrückt, wähle ich die untere direktere Linie am Netz." Und dann passiert es. An einer Weltmeisterschaft muss man viel riskieren." Weil er aber auf einer anderen frecheren Linie als im Training fährt, wird die folgende Rechtskurve zum Problem. "Wegen der höheren Geschwindigkeit schnitt ich die Kurve zu spät an. Ich drehte mich in der Luft und landete auf dem Innenski, eine heikle Situation. Wenn ich vom Pech verfolgt gewesen wäre, hätte es mir glatt den linken Ski abschlagen können. Zudem drückte es mich in der folgenden Kompression , wo später der Franzose Luc Alphand stürzte, bös zusammen. Ich konnte dem Druck aber standhalten und kam nun zur Kurve, wo Karl Frehsner ("Heinzer hat diese Kurve nicht optimal erwischt") stand.
Der erforderliche Linienwechsel hatte immerhin den Vorteil, dass ich mit mehr Speed in das nun folgende flachere Stück hineinkam. Auf der anderen Seite aber war mir klar bewusst: Da hast du bös geschnitzert und sicherlich Zeit verloren. Jetzt muss ich alles riskieren und im unteren Teil ein Superrennen fahren, wenn ich an einer WM nicht wieder vierter werden will." Er greift voll an, achtet aber peinlich genau darauf, dass er sich nicht verkrampft. Auf der Fahrt in Richtung Mittelstation spürt er, dass er ungemein viel Zug auf dem Ski hat. Er geht auch da in die Hocke, wo er im Training noch öffnete. Der totale Angriff ist auch nötig, den vor ihm hat der Italiener Peter Runggaldier eine Zwischenbestzeit aufgestellt, die noch um sieben Hunderstel schneller ist als diejenige Heinzers. Franz versucht jede Kurve möglichst direkt anzufahren, hart an die Tore heranzugehen, die Arme vorne zusammenzuklemmen und möglichst wenig Luftwiderstand zu bieten. Es ist ein gigantischer Kampf um Zeitgewinn, ein Tanz auf dem Grat, der verzweifelte Griff nach der begehrten Medaille. Als er unter ohrenbetäubendem Applaus durchs Ziel rast und abschwingt, ist er aber zuversichtlich. "Ich hatte Angst vor dem Blick auf die Zieltafel, in mir steckte das bange Gefühl, dass es nicht gereicht hat. Dann schaute ich hinauf und sah mich an der Spitze.Nach diesem Fehler doch Erster; ich konnte es fast nicht glauben." Heinzer in Führung mit 25 Hundertstel vor Runggaldier, 0.66 vor Mahrer und 0.99 vor Stock, das die Reihenfolge an der Spitze nach sieben Fahrern. "Jetzt könnte es möglich sein, dass ich nach 3 x WM 4 Plätzen, endlich eine Medaille hole", überlegt sich Franz in diesem Moment.
Aber noch stehen harte Rivalen und Sieganwärter am Start oben: Lokalmatador Helmut Höflehner, der schnelle Norweger Atle Skardaal, der Österreicher Patrick Ortlieb oder natürlich gemäss WM-Tradition ein Aussenseiter mit überragender Tagesform wie vor zwei Jahren in Vail der Deutsche Hansjörg Tauscher. Im Zielraum wird Franz Heinzer auf der Grossleinwand Augenzeuge des fast unglaublichen Lapsus von Höflehner beim Start und in der nachfolgenden ersten Passage. "Ich habe ihn später gefragt, ob er meine Zeit mitbekommen habe, was er verneinte. Jedenfalls wurde Höflehner eindeutig das Opfer seiner Nerven. Das Warten für Franz Heinzer und seine Fans geht weiter. Viele versicherten zwar: " Du hast's geschafft", aber nach drei vierten Plätzen an Weltmeisterschaften traut Franz der Sache noch nicht so recht. Die Möglichkeit, dass es nicht nur bei einer Medaille bleibt, sondern gar ein Weltmeistertitel winkt, wächst indessen von Minute zu Minute. Nach Patrick Ortlieb, der mehr als eine Sekunde zurückliegt, bleiben noch die beiden Franzosen Luc Alphand und Denis Rey, die sich während des Trainings empfohlen haben. Während Alphand an der Kompression in den Schnee beissen muss, gelingt Rey zwar ein beachtlicher elfter Rang mit 1,90 Sekunden Rückstand, aber der Weltmeister heisst endgültig: Franz Heinzer (Schweiz). Fassen kann es der Schwyzer noch nicht. Erst an der Siegerehrung wird ihm bewusst: "Ich bin Weltmeister."